Keimzell- und Keimstrangtumoren des Ovars

Keimzelltumoren und Keimstrangtumoren sind sehr seltene Tumoren des Eierstockes und entspringen sog. Keimzellen aus dem Bereich des Eierstocks und sind in der überwiegenden Zahl gutartig, in einzelnen Fällen sind diese Tumore jedoch bösartig und sind von dem klassischen Eierstockkrebs zu unterscheiden. 

Sie unterscheiden sich sowohl in der Therapie als auch Prognose erheblich. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung ist eine besondere Expertise notwendig, die sowohl die differenzierte operative als auch die sehr komplexe medikamentöse Therapie einschließt. Die häufigsten bösartigen Tumoren des Eierstockes sind Eierstockkrebse (Ovarialkarzinom) gefolgt von den Keimzelltumoren (Dysgerminom, Dottersacktumor, Teratom, embryonales Karzinom, Chorionkarzinom) und seltener, zu etwa 8% Keimstrang-/Drüsentumoren wie der Granulosazelltumor, der Sertoli-Leydig-Zelltumor, Androblastome und Thekome.

Keimzelltumoren treten im Vergleich zu Patientinnen mit Eierstockkrebs häufig bei sehr jungen Frauen auf. So treten 65-75% der malignen Keimzelltumoren bei Frauen unter 20 Jahren auf. Die Prognose ist meistens deutlich besser, der größte Anteil der Patientinnen kann geheilt werden. Zu den Keimzelltumoren zählen auch die Dysgerminome, Dottersacktumoren und die unreifen Teratome, die von den reifen Teratomen, die gutartig sind und kein bösartiges Potenzial haben, unterschieden werden. Die Diagnose erfolgt aufgrund der Gewebeschnitte pathologisch. Die Prognose ist abhängig vom Tumorbefallmuster und von der Stadieneinteilung. Der Tumormarker CA 125, der beim Eierstockkrebs bei etwa 80% erhöht ist, ist für Keimzell- aber auch Keimstrangtumoren nur wenig hilfreich. Hier spielen andere Tumormarker wie das Schwangerschaftshormon HCG und das AFP eine größere Rolle. Ähnlich wie beim Eierstockkrebs ist auch der Tumorrest bei Keimzell- aber auch bei Keimstrangtumoren von besonderer prognostischer Bedeutung. Die Lymphknotenoperation ist im Vergleich zum Eierstockkrebs seltener angezeigt. Auch ist häufig ein fertilitätserhaltendes operatives Vorgehen möglich. Die Chemotherapie unterscheidet sich ebenfalls erheblich. Es werden völlig andere Substanzen eingesetzt und auch der Rhythmus der Chemotherapie ist im Vergleich zu Frauen mit Eierstockkrebs meist anders. Zu den Keimstrangtumoren zählt der Granulosazelltumor als häufigster Tumor, der eine ganz besondere pathologische Charakteristik aufweist und in einem jungen (juvenilen) und einem erwachsenen (adulten) Typ aufgrund pathologischer Kriterien unterschieden wird, wobei auch bei älteren Frauen der juvenile Typ vorkommen kann. Auch hier unterscheidet sich die operative Therapie erheblich von Frauen mit Eierstockkrebs, auch hier ist häufiger ein fertilitätserhaltendes Vorgehen möglich, auch die Lymphknotenoperation ist in der Regel nicht notwendig. Im Gegensatz zu Frauen mit Eierstockkrebs und Keimzelltumoren ist beim Keimstrangtumor (Granulosazelltumor) eine Chemotherapie seltener notwendig. Im Gegensatz zu Frauen mit Eierstockkrebs ist zum einen zu betonen, dass ein Großteil der Patientinnen geheilt werden kann und dass, wenn der Tumor wiederkommt, es aufgrund seiner langsamen Wachstumsrate nach einer sehr langen Latenz (etwa 7 Jahre bis zu 37 Jahre) auftreten kann, wobei bei Frauen mit Eierstockkrebs in der Regel der Tumor innerhalb der ersten 3 Jahre, wenn er wieder auftritt, diagnostiziert wird. Die Diagnose und die Therapie bedarf einer sehr differenzierten und sehr anspruchsvollen Diskussion.

Daher sollte stets bei diesen Erkrankungen eine Zweitmeinung eingeholt werden und die Behandlung in ausgewiesenen Krebszentren erfolgen. Gerne beraten wir Sie.

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